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FSJ in einem Kinderheim für Kinder mit Behinderung.

Warum wolltest du einen Freiwilligendienst machen?

Nach der Schule wollte ich mal raus aus dem Lernen und wissen, wie es ist, zu arbeiten. Der Schichtdienst ist da natürlich was Besonderes. Ich wollte gern was für andere tun und mich sozial engagieren. Dass das mit behinderten Kindern sein sollte, war für mich schnell klar, mir hat das schon vorher Spaß gemacht.

Was denkst du, bringt einem ein Freiwilligendienst?

Im Freiwilligendienst kann man viele besondere Erfahrungen sammeln. Was Teamwork und Zusammenhalt wirklich bedeuten, ist mir erst im Erlenbusch, meiner Einsatzstelle, klargeworden. Ich habe mich persönlich weiterentwickelt und auch meine Grenzen kennen gelernt. Man wird toll im Team aufgenommen und darf Verantwortung tragen. Das finde ich toll.

Was sind deine Aufgaben in der Einsatzstelle und wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Im Erlenbusch wohnen 40 schwerst- und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche. Bei mir in der Blauen Gruppe sind es 10 Kinder von zwei bis 18 Jahren, die aber durch ihre Behinderung ähnliche Anforderungen stellen.

In der Frühschicht macht man vier Kinder für die Schule fertig: das heißt Anziehen und Frühstücken. FSJler_innen arbeiten aber meistens in der Spätschicht von mittags bis abends um neun und jedes zweite Wochenende 1,5 Tage. Man betreut in der Regel zwei bis drei Kinder, genau wie die hauptamtlichen Mitarbeiter_innen und übernimmt, bis auf kleine Ausnahmen, unter Anleitung die gleichen Aufgaben. Die Kinder kommen zwischen 13.00 und 16.30 Uhr in die Gruppe. Die Kleinen werden aus der Frühförderung abgeholt, die Großen kommen später aus der Schule. Davor werden Breie für das Frühstück am nächsten Tag vorbereitet und andere kleine Sachen im Haushalt erledigt. Im Tagesablauf dauert bei unseren Kindern alles länger. Deswegen braucht das Umziehen, Baden, Wickeln usw. viel Zeit – man hat also viele pflegerische Aufgaben. Am Nachmittag haben manche Kinder Therapie, anderes Programm wie Musik oder ruhen sich auch von der Schule aus. Weil die meisten eine Magensonde haben und nur wenig über den Mund essen, nimmt man sich auch für das Abendessen Zeit. Abends bringt man die Kinder ins Bett. Vor allem am Wochenende und in den Ferien hat man mehr Freiraum. Manchmal sind dann Kinder abgeholt und man kann sich mehr Zeit zum Spielen, Bücher Vorlesen oder Spazierengehen im Wald nehmen.
Man ist immer gut beschäftigt und es wird nie langweilig. Es ist schön ein Kind abends ins Bett zu bringen und am nächsten Tag wieder mit ihm aufzustehen.

Was hast du in deinem Freiwilligendienst gelernt?

Am Anfang ist erstmal sehr viel neu. Ich wurde für jedes Kind einzeln angeleitet und hatte deswegen Zeit mich zurechtzufinden. Es geht bei uns viel um Pflege, das hatte ich vorher noch nicht gemacht, aber man findet sehr schnell rein. Man lernt, auf die kleinen Dinge im Leben zu achten. Das Tollste ist eigentlich, dass man lernt und es gar nicht merkt: Der Umgang mit schwerst-mehrfach behinderten Kindern ist für mich mittlerweile normal, die Handgriffe alltäglich. Über das Jahr habe ich eine gute Bindung zu meiner Gruppe aufgebaut und freue mich, „meine“ Kinder und Kolleg_innen zu besuchen, wenn ich in Hamburg bin.

Was war der bewegendste Moment in deinem Freiwilligendienst?

Da gab es sehr viele, positive und negative. Wenn es einem Kind schlecht geht, geht einem das nahe und es fällt einem manchmal schwer. Aber ich habe vor allem schöne Momente in Erinnerung. Besonders war für mich, dass ich zwei Mal mit einer Gruppe von Kindern und Kolleg_innen mit auf Reise an die Ostsee fahren konnte. Das war eine sehr schöne und intensive Zeit.
Wenn man von den Kindern wiedererkannt wird und eine Rückmeldung bekommt, ist das toll. Am Ende zählt aber jedes kleine Lächeln, das einem das Herz aufgehen lässt.

Was gefällt dir an den Seminaren bei uns?

Meine Seminargruppe war sehr gemischt, wir haben in Krankenhäusern, Kitas, Behinderteneinrichtungen usw. FSJ gemacht.  Es war spannend, sich auszutauschen, weil man auch mal etwas aus anderen Bereichen mitbekommen hat.  Unsere Seminarleiterinnen waren wirklich nett und hatten immer ein offenes Ohr.
Außerdem konnte ich mit meiner Gruppe die Juleica, die Jugendleitercard, in Kooperation mit dem JRK machen. Wir haben eine Kinderfreizeit organisiert, was viel Spaß gemacht hat.

Wieso machst du deinen Freiwilligendienst beim Elsa Brändström Haus?

In Hamburg gibt es verschiedene Träger fürs FSJ. Ich habe mich fürs Elsa entschieden, weil das Rote Kreuz als großer Träger verschiedenste Stellen anbietet und die Betreuung der Freiwilligen gut ist. Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Andere Freiwillige, die Probleme hatten, konnten wechseln und hatten immer einen Ansprechpartner.

Was würdest du zukünftigen Freiwilligen mit auf den Weg geben?

Genießt jede Sekunde, es ist viel zu schnell vorbei!

„Das Tollste ist eigentlich, dass man lernt und es gar nicht merkt.“
Eleonore, 18 Jahre